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Impressionen von Nafplion

 
Etwas "Mythos" darf auf einer Seite, auf der sich alles um Griechenland dreht, natürlich auch nicht fehlen. Drepanon bei Nafplion ist für uns wie eine zweite Heimat, und Nafplion ist eines der schönsten Städtchen Griechenlands. Zehntausende von Besuchern aus aller Welt kommen dort hin, aber kaum einer weiss, woher der Name Nafplion kommt, und vor allem, woher der Name Palamidi stammt, der berühmten Burganlage, die Nafplion überragt. Deshalb an dieser Stelle ein paar Erklärungen aus antiker Zeit. Die Geschichten sind Mythos, die Personen und Namensgeber haben nachweislich gelebt.

Die Bilder passen außer dem ersten nicht direkt zum Text, sondern sind Impressionen des heutigen Nafplion und der Burg Palamidi. Alle Bilder vergößern sich mit einem Mausklick in separatem Fenster!
 
Mythen des antiken Nauplia (heutiges Nafplion)
Die Mythen, die sich auf die entfernteste Vergangenheit der antiken Stadt Nauplia beziehen, sind mit dem Wasser, dem Regen, den Quellen, der Vegetation, den kultischen Handlungen von Lerna, dem wasserlosen und sehr durstigen Argos, aber auch mit dem offenen Meer, den weiten Reisen der Seefahrer und ihren gefährlichen Schifffahrten, die die Meeresdämonen beschützen, verbunden. Der Gründer von Nauplia und eponyme Heros war Nauplios, Sohn des Gottes Poseidon, des Gebieters über die Gewässer, und der Danaostochter Amymone, der Tochter der Quellen. Als Danaos, der spätere Stammvater der Argiver, mit seinen 50 Töchtern aus Ägypten nach Argos kam, war der Überlieferung nach das gesamte Gebiet wasserlos, weil der Gott Poseidon über den Fluß Inachos erzürnt war und eine Dürre hervorgerufen hatte, denn Inachos, der Stadtgründer, hatte mit seiner Stimme Hera oder Athena bei ihrem Wettkampf mit dem Gott des Meeres begünstigt. Danaos sandte damals seine Töchter aus, Wasser zu finden. Amymone entdeckte eine Quelle, aber als sie sich ihr näherte, um von ihrem Wasser zu nehmen, verschwand die Quelle in der Erde. Klicken zum Vergrößern
Vasenbild: Poseidon, Amymone und ein geflügelter Eros. Darstellung auf einer attisch-rotfigurigen Hydria aus dem 4. Jh. v. Chr. Athen. Nationalmuseum
Die Geschichte von Amymone und der Quelle wird von vielen antiken Schriftstellern in verschiedenen Versionen erzählt. Nach Apollodor brach die schöne Tochter des Danaos auf seine Anweisung hin auf, eine Quelle mit Wasser zu finden. Bei ihrer Suche jagte sie einen Hirsch und schoss mit einem Pfeil auf ihn, traf aber einen dort in der Nähe schlafenden Satyr. Dieser wollte sie angreifen. Als daraufhin Poseidon erschien, packte den Satyr die Furcht und er ergriff die Flucht. Die dankbare Amymone war nun willig, sich mit dem Gott zu vereinigen, und er führte sie zum Wasser, indem er ihr die Quelle von Lerna zeigte. Klicken zum Vergrößern
Blick vom Palamidi auf die östliche Altstadt
Andere wiederum sagen, dass der Gott seinen Dreizack schleuderte, um den Satyr zu vertreiben, und dabei auf einen Felsen traf. Dieser wurde tief gespalten und aus seinem Inneren sprudelte eine Quelle hervor, die den Namen der Amymone bekam. Alle Versionen des Mythos stimmen jedoch darin überein, dass Nauplios die Frucht der Liebe zwischen Poseidon und Amymone war. Diesen Mythos von Poseidon und Amymone gaben die antiken Griechen in der frühen Klassik auf zahlreichen Darstellungen wieder, was wahrscheinlich auf sein Wiederaufleben in dem Satyrdrama "Amymone" des Aischylos zurückzuführen ist. Klicken zum Vergrößern
Innenhof des Hauptgebäudes auf dem Palamidi
Nauplios wurde in Euböa geboren, an dem Ort, an den seine Mutter von den Wellen nach ihrer Vereinigung mit Poseidon getrieben worden war. Als Jüngling nahm er an dem Zug der Argonauten teil. Er wurde ein bedeutender Seefahrer und entdeckte als hervorragender Astronom das Sternbild des kleinen Bären. Er brach mit seinen Schiffen von Euböa auf, kam in das Innere des argivischen Golfes und legte bei "Apobathros" an der felsigen Halbinsel an. Dort errichtete er die Stadt Nauplia. Klicken zum Vergrößern
Blick vom Palamidi auf den Nordostteil Nafplions und auf fast die ganze Argolis
Er muss lange gelebt haben, wenn es wahr ist, dass er auch noch nach dem Trojanischen Krieg gewirkt hat. Weil er über einen so langen Zeitraum bei den panhellenischen Ereignissen in Erscheinung tritt, sind viele der Auffassung, es habe zwei mit Namen Nauplios gegeben, der eine Sohn des Gottes Poseidon und der andere sein Nachfahre nach vielen Generationen, wobei man diesen für den Gründer des antiken Nauplia hält. Dass man den ersteren einer wesentlich älteren Epochen zuweist, zwingt jedoch nicht dazu, einen zweiten jüngeren Nauplios anzunehmen, der zur Zeit des Trojanischen Krieges lebte. Es gibt viele Helden in der griechischen Mythologie, deren Tätigkeit diachronisch erfolgte und die an fast allen gesamtgriechischen Ereignissen teilnahmen, offensichtlich, um ihre Mannhaftigkeit und Wichtigkeit hervorzuheben. Klicken zum Vergrößern
Blick durch ein "Fenster" des Palamidi auf die östliche Innenstadt und das Fussballstadion
Aus der Ehe des Nauplios mit Klymene, der Tochter des Katreus, eines Sohnes des Minos, gingen drei Söhne hervor, Palamedes, Oiax und Nausimedon. Die drei Söhne des Nauplios nahmen am Trojanischen Krieg teil. Dort zeichnete sich Palamedes durch seinen Mut und seine Weisheit aus. Ajax und Achill schätzten ihn als einen Gleichwertigen, Odysseus hingegen tötete ihn, weil Palamedes ihn an Schläue übertraf und seine Listen aufdeckte. Er inszenierte damals eine Intrige, indem er Palamedes wegen Zusammenarbeit mit dem feindlichen Heer anklagte, was die griechischen Führer auch glaubten. Palamedes wurde daraufhin zum Tode durch Steinigung verurteilt. Klicken zum Vergrößern
Wachturm an der Ostecke des Hauptgebäudes des Palamidi
Als Nauplios von dem Geschehen erfahren hatte, übte er an den Belagerern von Troja Rache, indem er viele der Frauen der Anführer zum Ehebruch anstiftete und später ihre Schiffe an den Felsen von Kaphyreus (heutiges Kavodoro) dadurch zerschellen ließ, dass er sie mit Lichtern irreführte. Er soll selbst ein ähnliches Ende gehabt haben. Klicken zum Vergrößern
Wunderschöner Blick auf den Ostteil des Hafens mit dem "winzigen Bahnhof" daneben
Die Art seiner Rache an den siegreichen Helden des Trojanischen Krieges beweist seine enge Beziehung zu seinem Vater Poseidon, seine Identifizierung mit einem bösen Meeresdämon und seine Verbindung zu Euböa als dem Ort seiner Herkunft. Die Rache des Nauplios hatten die antiken Tragiker Sophokles, Philokles, Astydamas, Lykophron und Timotheos, der einen Dithyrambos mit dem Titel Nauplios schrieb, zu einem Drama verarbeitet. Der Mythos macht den Gründer von Nauplia jedoch zu einem weisen Meereswesen und nicht zu einem bösen Meeresdämon. Klicken zum Vergrößern
Kapelle im mächtigen Innenhof des Hauptgebäudes
Dies beweist, dass sich der Mythos, der von Euböa in die Argolis führte, mit der Zeit veränderte. Nauplios gab den Menschen seine Kenntnis von der Astronomie und der Seefahrt. In der Persönlichkeit seines Sohnes Palamedes, der zum bedeutendsten Held von Nauplia wurde, und zusammen mit Prometheus erweist er sich in der griechischen Mythologie als der große Erfinder schlechthin. Der Name des Palamedes, den der hohe Felsen, der sich beschützend über der Stadt Nafplion erhebt, bis heute in unserem Gedächtnis lebendig erhält, drückt den Menschen aus, der denkt und mit seinen Händen gestaltet (anfangs Palamomedes), obwohl die ihm zugeschriebenen Erfindungen in viel stärkerem Maß seine geistigen Fähigkeiten offenbaren. Klicken zum Vergrößern
Blick von der Südmauer des Palamidi, auf einen Baum, der "aus dem Meer wächst".
Er lehrte den Menschen die Kriegsregeln und die Gesellschaftsordnung, das geschriebene Wort, das Alphabet (er fügte dem phönizischen Buchstaben hinzu), die Zahlen, die Münze, die Maße und Gewichte. Er erfand die Zeiteinteilung, die Ordnung der Mahlzeiten, die Mischung des Weines, die Feuersignale (eine Art optischer Telegraph), ferner auch Spielsteine (Würfel) als Zeitvertreib für die Helden in den Stunden ihres Ausruhens. Als Arzt und zugleich Astronom war er für die antiken Griechen der weise Vorfahr schlechthin, der die Künste liebte und vervollkommnete. Klicken zum Vergrößern
Blick auf den Westhügel, die Reste der Westburg und den überdachten Abgang sowie auf den Bourtzi
Jüngere Quellen setzen das Grab des Palamedes nach Lesbos, wo es ein ihm geweihtes Heiligtum und eine Statue gab. Ebenso ist noch das Toponym "Palamedeion" in Kleinasien bekannt. Von den antiken Werken, die sich auf den Mythos des Palamedes beziehen, sind die Tragödien "Palamedes" von Aischylos, "Odysseus im Wahnsinn" und "Palamedes" von Sophokles und "Palamedes" von Euripides zu erwähnen. Diese Werke sind verlorengegangen. Erhalten sind jedoch zwei frühe, sophistische Übungsstücke: "Palamedes" von Gorgias, wobei es sich um eine Apologie des Heros selbst handelt, sowie auch "Odysseus Verrat an Palamedes" von Alkidamas. Klicken zum Vergrößern
Mächtige Mauern und Kanonenschießscharten
Selten ist die Gestalt des Palamedes in den antiken Bildwerken dargestellt. Es gibt jedoch eine Gestalt von ihm, die auf einen Tonwürfel des 7.Jhs. v. Chr. (Athen, Archäologisches Nationalmuseum) gemalt ist. Die durch ihren großen erfinderischen Vorfahren begünstigten Nauplier erwiesen sich nicht nur auf dem Meer sondern auch in der Landwirtschaft als erfinderisch. Die Überlieferung schreibt ihnen die Erfindung des Rebenschneidens (Beschneidung der Weinstöcke) zu, die sie erlernten, als sie an einem Weinstock bessere Erträge beobachtet hatten, nachdem dieser von einem Esel, der seine Zweige gefressen hatte, 'beschnitten' worden war. Aus diesem Grund gab es in der antiken Stadt eine in Stein gehauene Darstellung eines Esels. Klicken zum Vergrößern
Blick auf die "Zunge" von Nafplion mit Westburg, Hotel und Schwimmbad
Wir hoffen, dieser kleine Ausflug in die antike Vergangenheit von Nafplion hat Ihnen gefallen, und es ist nicht zu viel Text geworden. Klicken zum Vergrößern
Eindrucksvolle Lichteffekte in einem dunklen Gang

und jetzt ?
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